Joti Polizoakis

Interview mit Joti Polizoakis

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Philipp Henschel: Hi Joti, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns genommen hast.

Joti Polizoakis: Vielen Dank für euer Interesse und dass ich hier sein darf. Ich freue mich.

Philipp Henschel: Gerne stelle ich dir Staufenbiel noch einmal kurz vor. Wir organisieren den Absolventenkongress. Das ist eine Jobmesse, die an verschiedenen Standorten in Deutschland stattfindet. Unsere Aufgabe ist es, Studierenden und Absolventen Brücken in die Arbeitswelt zu bauen. Zu den Events kommen dann 25 bis 40 verschiedene Arbeitgeber aus unterschiedlichen Branchen. Die Besucher können sich dann ganz unkompliziert mit Recruitern unterhalten und schauen was es für Einstiegsmöglichkeiten nach oder während dem Studium gibt. Vielleicht fangen wir einfach mal direkt mit der ersten Frage an: Du bist Eiskunstläufer. Was ist deine Lieblingsdisziplin auf dem Eis und warum?

Joti Polizoakis: Also meine Lieblingsdisziplin ist auf jeden Fall meine eigene Disziplin, die Eistanz Disziplin. Weil es für mich über die Jahre zur schönsten Disziplin geworden ist. Eistanz ist wirklich Tanz und Kunst kombiniert. Wir machen ja keine Sprungelemente, also geht es nicht ganz so akrobatisch zu. Dafür geht es bei uns wirklich um den Tanz, die Emotionen und Leidenschaft zwischen zwei Tanzpartnern. Wir sind auch tatsächlich die besten Eiskunstläufer, weil wir die Kante richtig gut beherrschen müssen. Bei uns geht es ums exakte Arbeiten der Kufe, die Feintechniker des Eiskunstlauf’s eben. Natürlich haben wir auch Schwerpunktelemente wie Pirouetten, Hebungen, Twizzles aber die Wichtigkeit der technischen Elemente ist mit der Interpretation der Musik und des Tanzes gleich gesetzt. Ich persönlich habe ja auch im Einzellauf angefangen. Ich war auch im Einzellauf sehr erfolgreich. Habe aber meine Disziplin erst gewechselt, als ich 19 Jahre alt war, was sehr spät ist. Natürlich hatte ich als Einzelläufer auch die ganzen Sprünge erlernt, Dreifachsprünge, Vierfachsprünge usw… und kann diese bis heute noch zum Teil aber irgendwann im Laufe meiner Karriere habe ich gemerkt, dass dies nicht so meins ist. Ich liebe den Eiskunstlauf eher für die B-Note, wie man früher gesagt hätte. Also für den Ausdruck, für das, was man den Zuschauern und dem Preisgericht rüberbringen möchte und nicht unbedingt für das Technische. Ich war auch im Einzellauf mehrfacher deutscher Juniorenmeister, aber irgendwann kam der Punkt als ich 19 Jahre alt war, als ich bemerkte: "Das ist gar nicht mein Ding, ich will das nicht mehr weitermachen. Was mache ich hier?" Ich habe dann auf eigene Faust tatsächlich die Disziplin gewechselt. Mein Trainer war dagegen, der Verband war dagegen. Ich habe dann auch keine Unterstützung mehr bekommen, gar nichts - weil die mich eben als deutschen Juniorenmeister in der Einzellauf Disziplin weiter gross aufbauen wollten. Also war ich da so ein kleiner Rebell, der ich tatsächlich im privaten Leben auch bin. Bin schon so jemand, der dann einfach das macht, was er für richtig hält. Und ja, das war dann die beste Entscheidung meines Lebens, weil in der Eistanz Disziplin war ich am erfolgreichsten. Da sind wir auf Anhieb auch direkt deutscher Meister geworden und sind für Deutschland zur Europa- und Weltmeisterschaft gefahren. Und mit der Disziplin habe ich es auch zu den Olympischen Spielen geschafft.

Philipp Henschel: Das heißt, du musstest da erst mal richtig viel Mut aufbringen, um dich gegen deine eigentlichen Unterstützer durchzusetzen, um dann zu deinem persönlichen Glück zu finden.

Joti Polizoakis: Richtig. Ich glaube aber auch mein Weg, als Profisportler ist auch etwas anders als der von jemandem, der vielleicht studiert und dann in einer Firma weiterarbeitet. Trotzdem kann man es vergleichen. Ich finde, in der Gesellschaft bekommen wir oft gesagt, was wir zu tun haben. Und das hat man mir ja auch gesagt, meine ganze Karriere lang. Und klar, wenn du 15, 16, 17 Jahre alt bist, dann folgst du dem auch. Aber irgendwann kam der Punkt, wo ich gemerkt habe: "Nee, das geht so nicht. Das bin auch nicht ich. Wieso versuchen mich irgendwelche Menschen zu beeinflussen oder mich zu ändern?" Und deshalb würde ich da auf jeden Fall den jungen Menschen, das möchte ich denen wirklich mitgeben, sagen, dass sie auf sich und auf ihr Herz hören sollen. Es muss nicht unbedingt direkt der Studiengang sein, es kann auch eine Ausbildung sein. Es gibt immer verschiedene Wege. Man muss nur wirklich an sich glauben und ein Ziel vor sich haben und das dann einfach verfolgen und hart, hart dafür arbeiten.

Philipp Henschel: Ja, das glaube ich auch, dass es ganz wichtig ist, auf sein eigenes Herz zu hören. Es ist vielleicht gar nicht so einfach herauszukriegen, was man tatsächlich möchte.

Joti Polizoakis: Ja definitiv. Das dauert auch seine Zeit. Ich finde, wir leben leider wirklich in einer Gesellschaft, in der man sagt: "Du musst unbedingt Abitur machen und du musst dann direkt weiter studieren. Du musst, du musst, du musst. Ich bin halt das komplette Gegenteil. Und glaubt mir, meine Eltern waren gar nicht zufrieden mit meinem Bildungsweg. Aber im Endeffekt hatte sich mein Dickschädel gelohnt. Denn wenn du wirklich hart arbeitest für das was du willst, dann kommst du da auch an. Und mein Bruder zum Beispiel, der hat jetzt auch nach seinem Abitur, erstmal drei Jahre Pause gemacht. Ist auch nicht das Beste an sich, aber er hat es halt für sich gebraucht, um wirklich zu wissen, was er möchte. Ich habe so viele in meinem privaten Freundeskreis, die nach dem Abi einfach direkt weiter gemacht haben. Haben ihr Studium mit dem Bachelor abgeschlossen, war aber nicht ihr Ding, fangen also wieder an etwas neues zu studieren. Und viele meiner Freunde sind Anfang 30, die immer noch nicht wissen, was sie machen möchten im Leben. Es fällt ihnen schwer ihre Schiene zu finden. Und lieber würde ich mir die Zeit nehmen und mir überlegen: "Was macht mir Spaß, wo ist meine Leidenschaft?" Das ist sehr wichtig. Man sollte jeden Tag zum Job gehen und Freude daran haben. Es sollte sich nicht wirklich wie ein Job anfühlen, finde ich. Leider sind in meinem persönlichem Umfeld ca. 60-70 % nicht ganz happy mit ihrem beruflichen Weg. Die sind jetzt Mitte 20, Anfang 30, ich selbst bin 27.

Philipp Henschel: Ja, das ist immer so ein Abwägen zwischen: "Ich muss irgendwie alle meine Rechnungen bezahlen, aber ich muss trotzdem etwas finden, bei dem ich auch dahinter stehe." Ja, wahrscheinlich ist man auch nur in den Sachen wirklich richtig gut, die man auch vom Herzen aus macht. Unser Motto vom Absolventenkongress ist: "Mach, was du liebst!"

Joti Polizoakis: Ein tolles Motto - dahinter stehe ich auch voll und ganz. Ich finde, das geht auch gar nicht anders. Wenn du das nicht liebst, was du machst, was machst du dann eigentlich im Leben? Es macht auch für mich gar keinen Sinn, dass du irgendwie in eine Berufung gehst, die dir keinen Spaß macht, etwas das nicht deine Leidenschaft ist. Klar ist es nicht jeden Tag nur Zuckerbrot und schlecken? Sagt man das so? *lacht* Du weißt, was ich meine... Also, es ist nicht jeder Tag ein Zuckerschlecken - Genau. Nicht jeder Tag ist einfach. Aber trotzdem, der Grundkern sollte schon etwas sein, was du liebst und was dich antreibt und wo die Motivation auch von alleine kommt.

Philipp Henschel: Ja, absolut. Gab es da für dich so ein besonderes Erlebnis, an das du dich erinnerst, wo du sagst: "Okay, das war der Punkt, an dem ich gesagt habe, ich will aufs Eis und das will ich für immer machen."?

Joti Polizoakis: Also bei mir war es schon krass, weil ich habe ja mit fünf Jahren mit dem Eiskunstlauf angefangen. Ich versuche mal die lange Geschichte ganz kurz zu halten. Es liefen die Eiskunstlauf Weltmeisterschaften im Fernsehen und ich war vier Jahre alt. Ich saß vor dem Fernseher mit offenen Mund, vier Stunden lang, und habe den Wettkampf beobachtet. Und meine Eltern haben tatsächlich versucht, mich abzulenken durchs Spielen, durchs Essen. Aber ich wollte nicht und wurde auch richtig sauer. Denn ich wollte nur den Wettkampf anschauen. Also eigentlich war es wirklich wie Liebe auf den ersten Blick. Und dann habe ich darauf bestanden, dass ich das machen möchte. Meine Mama hatte mich dann am nächsten Tag wirklich in die Eishalle gebracht. Und ich konnte sogar direkt eislaufen. Ich bin sogar einen kleinen Dreihersprung gesprungen, da waren alle Trainer direkt baff und fasziniert. Aber natürlich wusste ich nicht, dass das irgendwann mal meine Berufung wird. Also auch nicht im Alter von fünf Jahren. Ich habe aus purer Leidenschaft angefangen.

Joti Polizoakis: Als ich wusste, ich möchte das professionell machen, da war ich ca. um die 14 Jahre alt, denn da bin ich aus meinem Elternhaus weggezogen. Ich bin eigentlich gebürtiger Stuttgarter, bin dann aber nach Oberstdorf gezogen um im Bundesleistungsstützpunkt zu trainieren. Und das war dann natürlich schon so ein Punkt, wo ich gesagt habe: "Jetzt ziehe ich von zu Hause weg, ich trainiere das Doppelte, ich möchte das so richtig machen." Genau da war ich 14 Jahre jung, das war auch ein Riesenschritt für meine Eltern. Die wollten so gar nicht, dass ich von zu Hause weggehe, aber ich wollte es unbedingt. Und ich bin sehr dankbar, dass meine Eltern mich auch dabei unterstützt haben. Ohne meine Eltern wäre das absolut nicht gegangen. Und dann, im Jahr 2014 waren die Olympische Winterspiele in Sotschi. Und natürlich hatte ich zu dem Zeitpunkt schon das Ziel, Olympionike zu werden. Aber ich wusste nicht, ob 2018 klappt oder doch erst 2022. Aber dann hatte ich 2014 zum ersten Mal in einem Interview deutlich ausgesprochen: "2018 ist mein Ziel." Und das habe ich dann auch geschafft. Ein Jahr später habe ich dann meinen Trainingsstandort von Oberstdorf nach Detroit, USA gewechselt und hab dann auch dort mit dem Eistanzen angefangen. Ich habe dann einfach nur noch auf mich gehört und ich glaube, das war dann auch das, was es ausgemacht hat. Dass ich gesagt habe: "Ich werde jetzt Profi-Eiskunstläufer. Das war einfach so ein schleichender Prozess. Ich habe mit fünf Jahren angefangen und ich habe es geliebt. Ich wollte jeden Tag nur auf dem Eis sein. Ich kannte sowas wie einen Kindergeburtstag am Nachmittag gar nicht. Das wollte ich aber auch nicht, weil ich einfach trainieren wollte. Und bei mir war es halt die Tatsache, dass ich es so geliebt habe und so viel Spaß dabei hatte, dass ich nicht mehr aufhören wollte. Und wenn dann die Erfolge kommen, du gesund bleibst und sehr viel Glück hast, dann machst du halt weiter, weiter, weiter. Dann war ich im Landeskader, Bundeskader, Olympiakader und irgendwann mal kann man das abwägen ja, schaffst du das oder schaffst du es halt nicht? Aber ich möchte auch sagen: Als Profisportler brauchst du unheimlich viel Glück. Also sehr viel Fleiß, sehr viel Disziplin, viel Talent, aber auch Glück. Du musst zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und du brauchst die richtige Mannschaft, um dich. Eine Mannschaft von Experten und Menschen die dich unterstützen und aufbauen, um dahin zu kommen. Und dafür bin ich sehr dankbar, dass ich das alles hatte.

Philipp Henschel: Das hört sich ja nach einer richtigen Märchen Story an.

Joti Polizoakis: Ich bin wirklich schon sehr dankbar, weil ohne meine Eltern oder ohne meine ganze Familie wäre das alles nicht gegangen. Ich meine, es ist nicht selbstverständlich, dass die Eltern dich einfach im Alter von 14 Jahren gehen lassen. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich mit 19 Jahren nach Amerika ausgewandert bin um meinen Sport auszuüben. Ich habe damals einfach meine Sachen gepackt und bin gegangen, weil ich es für richtig gehalten habe. Ich habe das nicht mal mit meinen Eltern großartig diskutiert. Ich musste selbst immer Pläne haben, wie ich das alles stemme, habe das alles irgendwie organisiert bekommen und habe zu meinen Eltern gesagt: "Everything is fine." Also es passt alles, ich kann gehen, macht Euch keine Sorgen. Und dann habe ich es halt einfach knallhart durchgezogen. Und man braucht auf jeden Fall immer einen Plan A, Plan B und Plan C. Wenn Plan A nicht funktioniert, musst du direkt mit einem Plan B weitermachen. Wenn Plan B nicht funktioniert, dann solltest du noch einen Plan haben, damit du wieder weiterkommst. Ich war schon als kleiner Junge so, muss ich ehrlich sagen. Zum Beispiel wenn es ums Bahnfahren ging. Meine Eltern wollten nie, dass ich mit der Bahn durch die Stadt fahre. Mit zehn Jahren wollte ich aber unbedingt mal mit der Bahn zur Eishalle fahren und ich habe einen Plan gemacht und gesagt: „Schaut mal so fahre ich eigentlich mit der Bahn. Aber falls da was schiefgehen sollte, dann kann ich mit der Bahn dorthin kommen.“ Und ich war immer schon so jemand, der halt Pläne hatte. Und so gibt man ja dem Gegenüber oder dem Geschäftspartner oder dem, mit dem man kooperiert auch ein gutes Gefühl. Ich habe einfach mehrere Pläne im Leben, nicht nur diesen einen. In meinem Fall braucht es nur eine Verletzung und ich bin draußen. Also jetzt mal ehrlich. Und das muss ich auch in meinem Hinterkopf haben. Deshalb finde ich mehrere Pläne sind wichtig und notwendig.

Philipp Henschel: Gab es vielleicht auch schon mal Rückschläge in deiner Karriere? Und wenn ja, wie bist du damit umgegangen?

Joti Polizoakis: Ja klar, Rückschläge gab es auf jeden Fall. Ich muss sagen, als ich 16 oder 17 Jahre alt war, wollte ich schon früher meine Disziplin wechseln. Und wie ich auch schon gesagt habe, mein Verband hatte das nicht erlaubt und mein Trainer auch nicht. Das hatte mich aufgeregt, weil ich zwar wusste, ich bin immer noch der Beste in meiner Disziplin, aber ich selbst wollte das einfach nicht mehr machen. Und ich habe mich auch da nicht wirklich gut bei gefühlt. Habe aber immer weiter gemacht weil meine Resultate gestimmt haben bis ich in die Seniorenklasse gekommen bin. Das ist die Meisterklasse, die höchste Klasse im Eiskunstlauf. Ich war dann 19 Jahre alt inzwischen, das war mein letztes Jahr in der Einzellauf Disziplin und das war meine erste Saison, wo ich auf einmal nicht nur nichts mehr gewonnen habe, sondern ich wirklich schlecht in Form war, vor allem gesundheitlich. Eine Saison in der ich nur Verletzungen hatte und in der ich wirklich sehr, sehr unglücklich war mit meiner Gesamtsituation. Ich kann wieder von Glück sprechen, wenn ich sage, ich habe erst mit 19 Jahren meinen ersten größeren Rückschlag im Leistungssport gehabt. Aber da hatte ich dann dieses ganze Team, von dem ich vorher gesprochen habe auch verloren, von einem Tag auf den anderen - nur weil ich nicht mehr ‘’der Alte’’ Joti auf dem Eis war. Und das war sehr schwer, vor allem psychisch. Das einzige was geholfen hatte war, dass ich in mich gegangen bin und das gemacht habe, was ich dann für richtig gehalten habe. Alle wollten mich immer noch da halten, trotz schlechten Leistungen und gesundheitlichen Problemen aber ich habe dann klar ausgesprochen: "Ey, ich habe jetzt auf einmal Verletzungen. Ich hatte in meiner ganzen Karriere keine Verletzungen, merkt Ihr was?.“ Das hatte aber auch etwas damit zu tun, dass ich innerlich verletzt war, weil ich nicht das machen konnte, was ich wollte. Also das Mentale mit dem Körperlichen, das spielt ja alles eine Rolle. Ich habe mir dann eine Auszeit genommen und habe dann wirklich für mich entschieden: Nein, ich muss jetzt die Disziplin wechseln, auch wenn man mich dabei nicht unterstützt. Auch wenn mich keiner versteht. Deshalb dann auch der drastische Wechsel meines Trainingsstandorts nach Amerika. Ich hatte einfach verstanden das ich der Chef meiner Karriere bin, meines Lebens um ehrlich zu sein und ich keinem so vertrauen kann wie mir selbst.
Ich hatte auch insgesamt sechs Schädelhirntraumata. Das war natürlich absolut nicht toll. Das hat mich immer zurückgeschlagen. Ich bin immer wieder beim Vierfachsprung mit dem Kopf auf das Eis geknallt. Aber das gehört halt dazu. Was soll ich denn sagen, ein Boxer kriegt ständig eine Faust in den Kopf rein und macht auch weiter. Also Verletzungen, das ist natürlich etwas, was dich immer zurückschlägt. Aber ich muss sagen, man kommt wirklich viel stärker zurück. Definitiv ja. Das macht dich auch mental stärker und man lernt viel über sich selbst in der Situation kennen.

Philipp Henschel: Ja, das ist auf jeden Fall noch mal ein anderes Berufsrisiko, das man hat, als das was man vielleicht in einem herkömmlichen Berufsweg trägt.

Joti Polizoakis: Ja, definitiv. Aber deshalb braucht man Plan B und Plan C. Also meine schulische Bildung war meinen Eltern natürlich sehr wichtig. Ich bin mal ehrlich: Mir war das ein bisschen schnuppe. Ich war auch nicht der beste Schüler während meines Abiturs. Im Studium dann ja, weil da hat mir das irgendwie mehr Spaß gemacht. Ich habe in Amerika studiert und dort war die schulische Bildung viel angenehmer, finde ich, als in Deutschland.

Philipp Henschel: Welche Ziele hast du noch für deine berufliche Laufbahn?

Joti Polizoakis: Seit vier Jahren befinde ich mich in einer Wettkampfpause. Ich habe nach den Olympischen Spielen wirklich diesen Break gebraucht, habe viele Shows gemacht, habe mich ein bisschen in der Unterhaltungsbranche verwirklicht. Ich bilde mich gerade im Schauspiel weiter, weil ich mich definitiv eher im künstlerischen Bereich sehe. Ich habe die Wettkämpfe noch nicht abgeschlossen, also irgendwie ganz loslassen kann ich noch nicht. Sprich es kann schon sein, dass ich nochmal in die Wettkämpfe zurückgehe. Das ist etwas, was sich jetzt in den nächsten Monaten herausstellen wird. Ich trainiere jeden Tag, ich bin immer noch fit. Aber ich halte mir das ein wenig offen. Wenn ich tatsächlich wieder zurück in die Wettkämpfe gehen sollte, dann auf jeden Fall mit dem Ziel der Olympischen Spiele 2026.
Und wenn nicht, dann verfolge ich meinen Traum des Schauspielers und gebe dort weiterhin mein Bestes. Ich werde sehen, wo mich das so hinbringt.

Philipp Henschel: Das ist auf jeden Fall interessant, dass du auch schon jetzt eine klare Struktur vor dir hast, was nach deinem sportlichen Werdegang irgendwann mal sein kann. Es ist ja auch häufig so bei Fußballspielern, die können maximal bis 36, 37 spielen. Und dann ist die große Frage: "Was passiert danach?"

Joti Polizoakis: Ja. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nach meiner sportlichen Karriere eigentlich nicht im Sport weiterarbeiten möchte, zumindest nicht hauptberuflich. Trotzdem kann ich ja schon sagen, dass der Eiskunstlauf ein grosses Standbein für mich ist. Das kann mir durch mein bisher Erreichtes auch keiner wegnehmen. Ich kann Trainer werden oder in den verschiedensten Verbandspositionen arbeiten. Es kamen schon viele Angebote. Aber ich bin halt einfach Künstler. Meine Kreativität auszuleben macht mich glücklich, deshalb sehe ich mich in Zukunft nach meiner sportlichen Karriere eher im Beruf des Choreographen. Das mache ich auch jetzt schon seit mehreren Jahren. Das werde ich definitiv immer machen wollen, so nebenbei. Vielleicht auch wieder in die Shows gehen. Aber wenn ich in den Leistungssport zurückgehen würde, dann ist Leistungssport die Priorität und danach wird man halt sehen, wo es hingeht.

Philipp Henschel: Kommen wir zu meiner letzten Frage: Du hast vorhin schon erwähnt. Du findest es super wichtig, auf dein Herz zu hören und auch immer einen Plan B in der Hinterhand zu haben. Wenn du jetzt an junge Menschen denkst, die gerade auf der Suche nach ihrer Leidenschaft sind. Gibt es noch etwas, was du ihnen mit auf den Weg geben möchtest?

Joti Polizoakis: Also mir ist es unglaublich wichtig, dass die jungen Menschen wirklich auf sich hören und das machen, was sie für richtig halten. Das würde ich jedem so mitgeben fürs Leben. Wie schon gesagt, man versucht uns immer wieder auf eine Schiene zu bringen. Irgendwie verspürt man vielleicht auch einen gewissen Druck. Du musst schneller funktionieren, du musst schneller machen, du musst schneller studieren. Und ich würde einfach sagen: Nimm dir die Zeit, wirklich herauszubekommen, was du machen möchtest, wo deine Leidenschaft ist, was du tagtäglich liebst, nur dann fällt es dir auch einfacher zu arbeiten und auch zu leben. Und das ist eigentlich das einzige, was ich wirklich so mitgeben kann und möchte. Lasst euch nicht beeinflussen. Ihr könnt euch auch nicht von anderen abhängig machen. Also nur Mut und verfolgt einen Traum, Euren Traum.

Philipp Henschel: Super. Vielen, vielen Dank, lieber Joti. Es hat mir riesen Spaß gemacht, mit dir zu sprechen. Ich wünsche dir weiterhin nur das Beste, ganz viel Erfolg bei allem, was du dir noch in den Kopf setzt.

Joti Polizoakis: Sehr, sehr gerne.

 


Staufenbiel Institut

Martin Misere

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