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Eine E-Mail von Moritz Tenorth, Uni Bremen

„Viele Roboter wissen gar nicht, was sie tun“

Der Informatiker Moritz Tenorth erklärt, welche Aufgaben Roboter in einer alternden Gesellschaft übernehmen könnten, wie es bei ihnen mit Humor und Gefühlen aussieht und was er selbst schon von Robotern gelernt hat.

Motitz Tenorth und sein Roboter: „Bislang kennt der PR2 keine Gefühle und keinen Humor“ (Bild: Moritz Tenorth - privat)
Motitz Tenorth und sein Roboter: „Bislang kennt der PR2 keine Gefühle und keinen Humor“ (Bild: Moritz Tenorth - privat)

VON: Moritz Tenorth, Postdoc am Institut für Künstliche Intelligenz an der Universität Bremen
AN: Staufenbiel Institut
BETREFF: Sieben Fragen an den technischen Leiter des Projekts „Robo How“

Sie haben den Roboter PR2 mitentwickelt, der in der Küche herumwirbelt und Popcorn machen kann. Warum sollte ein Roboter das können?
Popcorn machen ist nur ein Beispiel für eine sehr einfache Koch-Aufgabe. In unserer alternden Gesellschaft wird Unterstützung durch Roboter auch im Haushalt immer wichtiger werden, damit alte Menschen länger selbstständig zu Hause leben können. Heutzutage saugen Roboter den Boden und mähen den Rasen. In der Zukunft werden sie Menschen auch Dinge bringen, aufräumen und vielleicht einfache Mahlzeiten kochen können. Unser Ziel ist, eines Tages einem Roboter eine Aufgabe so erklären zu können, wie man sie einem Menschen beschreibt. Die Herausforderung ist, all die Informationen zu ergänzen, die für Menschen selbstverständlich sind und deshalb in Rezepten nie beschrieben werden, etwa dass man Milch erst aus dem Kühlschrank holen oder den Herd nach dem Benutzen wieder ausschalten muss.

Ihren ersten Roboter haben Sie aber nicht an der Uni kennengelernt, oder?
Nein, mein erster Roboter war ein Mindstorms-Baukasten von Lego, den ich von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Auch wenn die Fähigkeiten im Vergleich zum PR2 sehr beschränkt waren, habe ich viel dadurch gelernt.

Warum sind Menschen so fasziniert von Robotern?
Das liegt zum Teil sicher an Science-Fiction-Literatur und -Filmen, die suggerieren, Roboter seien dem Menschen ebenbürtige Wesen mit Intelligenz, Gefühlen und eigenem Willen. In der Realität sind wir davon noch weit entfernt. Aber auch die heutigen Roboter sind faszinierend, weil sie, anders als Computer-Programme, Dinge in der realen Welt verändern.

In einem Interview sagten Sie, dass Roboter noch sehr wenig Verständnis dafür hätten, was sie tun. Ein bisschen also schon?
Viele Roboter, vor allem in der Industrie, arbeiten ein festes Programm ab und wissen gar nicht, was sie tun. Wir arbeiten daran, ihnen zumindest ein wenig Wissen zu geben, etwa welche Fähigkeiten sie für eine Aufgabe benötigen oder welche Eigenschaften die Objekte in der Umgebung haben und wie sie darauf reagieren sollten. Um Kaffee zu servieren, ohne ihn zu verschütten, muss ein Roboter zum Beispiel in der Lage sein, eine volle Tasse zu erkennen, wissen, dass sie aufrecht getragen werden muss, und seine Bewegungen entsprechend planen.

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PR2 lernt aus dem Internet. Wieso ist das Internet ein wichtiger Baustein für die Entwicklung künstlicher Intelligenz?
Das Internet bietet nicht nur für Menschen, sondern auch für Roboter eine Menge interessanter Informationen: Aktionsbeschreibungen, Kochrezepte, Produktinformationen in Online-Shops, Datenbanken dreidimensionaler Objekt-Modelle, Allgemeinwissen in Wikipedia, Instruktions-Videos auf You Tube und vieles mehr. All dieses Wissen ist nötig, damit Roboter kompetent in Haushalt, Büro oder Fabrik mit Menschen zusammenarbeiten können. Noch vor wenigen Jahren hätte man es manuell einprogrammieren müssen. Mittlerweile versuchen wir, Robotern die Fähigkeit zu geben, dieses Wissen direkt zu nutzen. Außerdem ermöglicht das Internet, per Crowdsourcing Menschen um Rat zu fragen, wenn der Roboter nicht weiter weiß.

PR2 soll später einmal direkt vom Menschen lernen. Keine Angst, dass er Sie mal auslacht?
Bislang kennt der PR2 keine Gefühle und keinen Humor. Zum einen ist so etwas sehr komplex zu realisieren, zum anderen ist die Frage, ob man einem Haushaltsroboter Gefühle wie Langeweile, Ekel, Ärger oder Schadenfreude überhaupt beibringen möchte. Eigentlich träumt man ja von einem Assistenten, der geduldig die Aufgaben erledigt, die wir nicht tun möchten.

Und was haben Sie schon von PR2 gelernt?
Man lernt sehr schnell, wie komplex auch scheinbar einfache Aufgaben wie den Tisch zu decken oder Popcorn und Pfannkuchen zu machen wirklich sind, wenn man versucht, sie auf einem Roboter zu realisieren. Es ist beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit Menschen neue Aufgaben in unbekannter Umgebung mit neuen Objekten kreativ lösen können. Davon sind Roboter noch sehr weit entfernt.

Datum: 08/13
Die Fragen stellte Heinz Peter Krieger.

Zur Person

Dr. Moritz Tenorth, Jahrgang 1982, studierte Elektrotechnik und Informationstechnik an der RWTH Aachen und der ENSTA Paris. An der TU München promovierte er in Informatik. 2012 war Tenorth als Postdoc am ATR-Forschungsinstitut in Kyoto, seit 2013 ist er Postdoc am Institut für Künstliche Intelligenz an der Universität Bremen.

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Markus Gerharz
Redakteur IT

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