„Mit Authentizität überzeugen“

Hans-Walter Peters, Chef der Berenberg Privatbank und Präsident des Bankenverbands, spricht über Banken und Fintechs, über Authentizität und Abschlussnoten und er verrät hier im Interview auch, worauf er in Bewerbungsgesprächen ganz genau achtet.

Dr. Hans-Walter Peters, Jahrgang 1955, ist Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter bei der Berenberg Privatbank in Hamburg. Er hat VWL und Statistik an der Technischen Universität Dortmund studiert und die Promotion zum Dr. sc. pol. an der Universität Kiel absolviert.

Dr. Hans-Walter Peters Präsident des Bundesverbands deutscher Banken

Herr Peters, man hört nicht allzu viel Gutes über die Branche, daher am Anfang die Frage: Wie geht es den Banken wirklich?

Die Banken sehen sich einem Umfeld gegenüber, das nicht leicht ist. Niedrig- und Negativzinsen belasten die Erträge, steigender Regulierungsdruck und Investitionen in Digitalisierung erhöhen die Kosten. Die Banken in Deutschland stehen also vor Herausforderungen. Aber sie sind solide aufgestellt und bereit, die Aufgaben anzugehen.

Alle Branchen werden digital. Wie weit sind die Banken?

Banken und Fintechs gehen aufeinander zu. Im Bankenverband haben wir eine eigene Arbeitsgruppe zu dem Thema und wir befinden uns in einem interessanten Dialog. Für Banken mit ihren komplexen IT-Systemen ist es mitunter nicht leicht, mit den oft monothematisch agierenden Fintechs Schritt zu halten. Allerdings sind die Erwartungen an Banken, zum Beispiel was Regulierung und Datensicherheit angeht, auch viel höher.

Haben Banken eigentlich eher Angst vor Fintechs oder freuen sie sich über neue Partner mit Digital-Know-how?

Ganz klar: Wir freuen uns über den Austausch! Die Banken können von Fintechs lernen und umgekehrt. Und man kann auch zusammen Ideen und Applikationen entwickeln. Ich sehe keinen Grund, warum eine Bank nicht Lösungen von einem Fintech übernehmen sollte, wenn es zum Geschäftsmodell passt. Grundsätzlich steht bei den Banken aber die umfassende Betreuung von Kunden im Vordergrund.

Was muss ich als Einsteiger im Bankensektor denn über Digitalisierung wissen?

Ich glaube vor allem, dass es wichtig ist, immer neugierig zu sein. Man sollte am Puls der Zeit sein, Dinge hinterfragen, sich nicht vom ‚Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht‘ abhalten lassen und eigene Ideen entwickeln.

Wie weit sind die Privatbanken mit der digitalen Transformation oder spielt das Thema hier nicht so eine entscheidende Rolle?

Als Privatbank kümmern wir uns um sehr komplexe Vermögen und um die Beschaffung von Eigenkapital für Unternehmen über Börsengänge oder Kapitalerhöhungen. Wir arrangieren Finanzierungen für Unternehmen oder sichern institutionelle Anleger vor Währungsschwankungen ab. Das sind Tätigkeiten, für die wir erstklassige IT-Unterstützung und teilweise komplexe Programme im Hintergrund benötigen. Zum Beispiel beschäftigen wir hundert Aktienanalysten und transportieren deren Research täglich punktgenau zu interessierten Anlegern. Der Kundenkontakt ist aber oft persönlich oder telefonisch, da agiert die IT im Hintergrund in Form von CRM-Systemen.

Sie haben VWL studiert und promoviert. Sollte es heute für Einsteiger bei Banken eher Programmierung sein?

Die Qualifikationsanforderungen in einer Bank waren schon immer sehr vielfältig und sind es auch heute noch, vielleicht noch mehr als früher. Natürlich steigt die Zahl der IT-Spezialisten immer weiter an. Wir allein beschäftigen bei uns in der Bank 250 von 1#500 Mitarbeitern in unserer IT. Eine hauseigene IT hat viele Vorteile. Aber wenn Sie in der Beratung tätig sein wollen, dann ist ein Wirtschaftsstudium doch von Vorteil.

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Ganz ehrlich: Wie wichtig sind Abschluss und Note?

Zu Beginn der Karriere sind der Abschluss und die Note deutlich relevanter als im späteren Berufsleben. Dann zählen gesammelte Erfahrungen und Erfolge mehr.

Auf welchem Wege starten Absolventen in Ihrem Unternehmen?

Neben der Möglichkeit, als Direkteinsteiger in einem Fachbereich zu starten, bieten wir ein internationales ‚Graduate Program‘ an. Wir stellen pro Jahr dafür 30 Absolventen ein und bekommen rund 4#000 Bewerbungen für das Programm.

Worauf achten Sie bei Bewerbern genau?

Sehr spannend ist zu sehen, wie unterschiedlich die Kandidaten ihren Weg gehen, ganz unabhängig von Studienfach, vom Grad des Abschlusses oder der Note. Manche scheinen ihr ganzes Potenzial erst im Job so richtig zu entfalten und enorme persönliche wie auch fachliche Erfolge feiern zu können. Es freut uns, dass wir ihnen dazu das richtige Umfeld und die richtigen Angebote geben können.

Womit kann ich im Jobinterview überzeugen, um ein Angebot zu bekommen?

Mit Authentizität. Jede Bank hat ihre eigene Unternehmenskultur, und Bewerber und Unternehmen versuchen im Bewerbungsgespräch herauszufinden, ob man zueinanderpasst. Dafür ist es wichtig, dass beide Seiten offen und ehrlich zum Ausdruck bringen, was ihnen wichtig ist.

Konkret?

Zu uns passt ein Bewerber, wenn wir im Gespräch zum einen die Leidenschaft und das Know-how für die Kapitalmärkte spüren. Das finden wir zum Beispiel heraus, indem ein Kollege aus dem Fachbereich den Bewerber kritisch und auf Augenhöhe zu einem aktuellen Problem interviewt. Wenn wir dann noch das Glänzen in den Augen des Bewerbers sehen, wissen wir: Es ist ihm ernst.

Und zum anderen?

Zum anderen ist es uns wichtig, dass die Mitarbeiter eigenverantwortlich in einem dynamischen Umfeld arbeiten und Spaß daran haben, unternehmerische Freiräume zu nutzen. Indikatoren dazu finden wir, wenn ein Bewerber zum Beispiel über vergangene Projekte in der Uni, von einem Auslandspraktikum oder von seinen Freizeitaktivitäten spricht. Wie hat er sich die Aufgaben zu eigen gemacht, was war genau seine Rolle in dem Projekt, wie ist er mit Hindernissen umgegangen und was war das Ergebnis? Da tauchen wir gern tief ein, um viel über den Bewerber zu erfahren. Wirklich glaubhaft wird es allerdings nur, wenn der Bewerber authentisch bleibt. Das kann man merken, hören und sehen.

Welche drei Tipps können Sie den Lesern von Finance & Consulting geben, die bald Banker werden wollen?

Erstens: Probieren Sie sich bereits zu Beginn des Studiums aus. Schnuppern Sie in verschiedene Branchen und Funktionsbereiche hinein, um wirklich die Tätigkeit zu finden, die Sie erfüllt und begeistert. Zweitens: Nur die Themen, die Sie mit Begeisterung machen, werden Sie so richtig gut machen und sich damit konsequent weiter entwickeln. Drittens: Wird es konkret, dann schauen Sie sich die Stelle und den Arbeitgeber genau an. Bieten beide die Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten, die Sie sich wünschen?


Thomas Friedenberger, Redakteur - 28/02/2017

SFIO CRACHO/Shutterstock.com

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