Frust im Trainee-Programm kann dich verzweifeln lassen

Trainee-Programm abgebrochen: „Ich wurde ausgenutzt und musste dort weg“

Eine Trainee-Stelle direkt nach dem Abschluss: Klingt attraktiv, endete für Daniel Schmitz* aber in totalem Frust. Was schief lief, warum er nach kurzer Zeit kündigte und was er anderen Trainees raten würde.

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Daniel, du bist nach dem Studium als Trainee eingestiegen und hast den Job geschmissen – warum?  

Weil ich mit falschen Versprechungen gelockt wurde und mich am Ende wie eine billige Arbeitskraft fühlte. Im Vorstellungsgespräch hieß es, ich könne viel lernen, mich schnell weiterentwickeln und hätte gute Aufstiegschancen. Im wahren Joballtag musste ich an heißen Sommertagen mit Anzug und Krawatte Autos aussaugen – und das war keine Ausnahme. Mir war schnell klar: Dort muss ich weg.

Was war das für eine Trainee-Stelle und wie bist du an sie gekommen?

Ich habe BWL studiert und habe nach dem Abschluss einige Absagen von meinen Wunsch-Unternehmen erhalten – da kam dann irgendwann die Panik. Deshalb hab ich mich auf diese Stelle beworben, die im Managementbereich angesiedelt war. Es gab zwei ziemlich oberflächliche Vorstellungsgespräche, im Nachhinein hätte ich da schon skeptisch werden müssen. Aber ich kam direkt von der Uni und wusste nicht, wie so etwas eigentlich ablaufen sollte. Also unterschrieb ich, als ich den Vertrag angeboten bekam.

Welches Ziel hatte das Trainee-Programm offiziell? Was wurde dir versprochen?

Das Unternehmen war sehr wachstumsorientiert, angeblich sollte man dort schnell aufsteigen können, das Programm sollte alle klassischen BWL-Bereiche abdecken. Im ersten Gespräch wurden ziemlich attraktive Perspektiven skizziert: Nach dem einjährigen Trainee-Programm könne ich angeblich direkt eine Führungsposition bekommen und gut verdienen – das hat mich gereizt.

Wann hast du gemerkt, dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht?

Spätestens nach einem Monat war mir klar, dass es in die ganz falsche Richtung läuft. Mein Team bestand aus einem Chef und drei Trainees. Wir haben in der Regel sechs Tage pro Woche gearbeitet, mussten die Mittagspausen im Büro verbringen, um ans Telefon gehen zu können. Überstunden wurden erwartet und waren mit dem monatlichen Brutto-Gehalt von rund 2.000 Euro abgegolten.

Schulungen gab es kaum, stattdessen haben Trainees alle Aufgaben übernommen, für die man auch Hilfsarbeiter einsetzen könnte. Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, alles mal gemacht zu haben – aber hier war es kein begrenzter Zeitraum, hier war es Prinzip. Am Anfang habe ich natürlich mitgemacht, schließlich war ich neu und wollte einen guten Eindruck machen. Doch irgendwann hab ich gemerkt: Mir bringt dieser Job überhaupt nichts, hier werde ich ausgenutzt. 

Trainee

Hast du trotz der Probleme gezögert, das Trainee-Programm abzubrechen?

Erst habe ich gedacht: Den ersten Job direkt hinschmeißen, das kannst du nicht bringen. Wie sieht das im Lebenslauf aus? Was sagen künftige Arbeitgeber, wenn man schon die erste Herausforderung nicht meistert? Aber dann habe ich mich mit Freunden ausgetauscht und mit Kollegen gesprochen: Einige kamen mit dem Unternehmen und der Arbeitsweise klar, aber viele waren so frustriert wie ich. Deshalb habe ich mich nach Alternativen umgesehen und glücklicherweise ziemlich schnell eine neue Stelle gefunden. Nach vier Monaten habe ich meine Kündigung abgegeben – vermutlich mein schönster Moment in diesem Unternehmen.

Bereust du im Nachhinein, die Stelle überhaupt angenommen zu haben?

Man sagt ja immer, dass einen jede negative Erfahrung weiterbringt. Aber gleichzeitig ist es vergeudete Zeit gewesen. Gerade bei der Suche nach meinem ersten Job hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen, denn darauf baut die weitere Karriere auf. Und ich werde seitdem in fast allen Bewerbungsgesprächen gefragt, warum ich das Trainee-Programm abgebrochen habe – es fällt also negativ auf. Wenn ich die Situation dann erkläre, reagieren Personaler aber zum Glück meistens verständnisvoll und respektieren die Entscheidung.

Und mit deiner nächsten Trainee-Stelle hattest du dann mehr Glück?

Auf jeden Fall: Ich war Trainee im Produktmanagement eines Verlags. Dort gab es einen klaren Ablaufplan, ein duales Weiterbildungsprogramm – und ich habe schnell Verantwortung für eigene Produkte übernommen. In zwölf Monaten durchlief ich vier Stationen, im Anschluss wurde ich in einer der Abteilungen als Junior-Produktmanager eingestellt. Das lief wirklich gut.  

Was würdest du anderen Trainees raten? Wann sollte man kündigen – und wann muss man sich auch bei Frust durchbeißen?

Ich denke, man sollte sich mindestens zwei Monate Zeit lassen. Als Berufseinsteiger muss man erst einmal verstehen, wie so ein Unternehmen arbeitet, welche Aufgaben normal sind und welche nicht. Man muss sich ja auch selbst entwickeln und auf neue Herausforderungen einlassen. Aber wenn man merkt, dass einem die Trainee-Stelle überhaupt nichts bringt, dass nur Lohn-Dumping mit gut ausgebildeten Absolventen betrieben wird: Dann sollte man wirklich gehen.

*Name geändert


Julia Felicitas Allmann

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