Fintechs marschieren voran

Sie heißen Kreditech oder Paycash – und sie dringen ins traditionelle Geschäft der Banken und Versicherer ein. Fintechs sind die neuen agilen Player der Finanzbranche. Hier dreht sich alles um Technik, Jobs und schnelle Karrieren.

Die Erfolgsfaktoren der Fintech-Start-ups lassen sich leicht benennen. Sie sind von einer hohen Kundenorientierung geprägt. Produkte und Dienstleistungen sind leicht verständlich erklärt. Testanwendungen lassen sich mit einem Klick starten und komplexe Sachverhalte sind einfach aufbereitet, um einen Onlineabschluss zu ermöglichen. Außerdem laufen die meisten Prozesse automatisiert ab. Die daraus resultierende Schnelligkeit und den Preisvorteil nutzen die Fintechs zur Abgrenzung zu den Wettbewerbern. Und die heißen Deutsche Bank oder Allianz.

„Die Fintechs bieten keine neuen Dienstleistungen oder Produkte an“, sagen die Berater von Horvath. Sie setzen sich aber von traditionellen Finanzdienstleistern dadurch ab, dass sie Lösungen für Verbraucher deutlich kundenorientierter gestalten. „Fintechs stellen ernstzunehmende Wettbewerber dar, die mit hoher Transparenz und Kundenorientierung den klassischen Anbietern Marktanteile streitig machen“, so das Fazit der Berater.

Innovation Labs gründen

Einige Banken haben reagiert. Die Deutsche Bank wird drei Innovation Labs in Berlin, London und im Silicon Valley eröffnen. Die drei Labs sollen Deutschlands erste Bank beim Einsatz neuer Technologien unterstützen. Ein Ziel ist es, die Geschäftsbeziehungen zu Start-up-Unternehmen im Technologiesektor zu stärken – den Fintechs. Jährlich sollen mindestens 500 Start-up-Ideen bewertet werden. Dazu werden die Technologien in den Labs getestet und weiterentwickelt – „auch in Zusammenarbeit mit Kunden“, heißt es. Für die „Deutsche“, wie sie in London und San Francisco genannt wird, eine Art Epochenwandel.

Die Berater messen den Fintechs nicht nur großes Markt-, sondern auch ein gewaltiges Eruptionspotenzial zu. Ein Potenzial also, das den klassischen Playern im Finanzmarkt nachhaltig und nennenswert Marktanteile, Kunden und Geschäftssegmente streitig zu machen sucht und die Finanzbranche revolutionieren könnte.

Digitalisierung des Bankgeschäfts

Vermutlich befinden sich die Banken noch ein wenig im digitalen Dämmerzustand. Denn sie sehen die größten Herausforderungen in neuen regulatorischen Auflagen und der Entwicklung des Zinsniveaus. Das zeigte eine Befragung zum Change-Barometer „Herausforderungen der Bankenbranche 2014 – 2018“ der Beratung Mutaree. „Die Banken sind in ihrer Strategie eher beständig als agil“, mahnt Claudia Schmidt von Mutaree. Das Problem: „Veränderungsprozesse werden intensiv abgewogen. Das führt dazu, dass die Banken wenig auf Veränderungen vorbereitet sind und die Erfolgsquote von Veränderungsprozessen auch nicht hoch einschätzen“, so Schmidt.

Viele Banken scheinen sich nur dann in eine neue Richtung zu bewegen, so ein Fazit des Change-Barometers, wenn Gesetze oder Markteinflüsse eine Veränderung zwingend notwendig machen. Wo der eigene Handlungsspielraum am größten ist, bleibe man aber oft passiv, sagen die Berater. Die Folge: Traditionelle Geschäfte brechen weg, etwa in der Maschinenfinanzierung, bei Immobilienkrediten oder im Zahlungsverkehr, und die Fintechs stehen in den Startlöchern.

Bindung von Talenten

Dramatisch scheint nach Meinung der Berater auch die unzureichende Vorbereitung der Banken beim Thema „Gewinnung und Bindung von Talenten“ zu sein. 62 Prozent der Kreditinstitute haben hierzu keine Vorbereitungen getroffen oder sie noch nicht abgeschlossen. 67 Prozent planen keine Maßnahmen zur Bindung ihrer Nachwuchskräfte. Ein Viertel strebt auch keinerlei Vorbereitungen in Hinblick auf die Gewinnung und Bindung von Talenten an.

Das Besondere: Die Zahlen und die dahinter stehende Einstellung sind deckungsgleich mit „dem Zukunftsfeld Digitalisierung“. 60 Prozent der Banken haben keine Vorbereitungen zu neuen Vertriebs- und Servicekanälen geplant oder sie noch nicht abgeschlossen. Und 57 Prozent beabsichtigen nicht im Bereich von Social Media oder Big Data aktiv zu werden. Die Fintechs werden sich freuen – auch wegen der Talente, die sich für eine Karriere in der Finanzbranche interessieren.

CareerServices

Marina Walser von GFT Technologies empfiehlt den Banken im hauseigenen Blog deshalb: „Kooperationen mit jungen Ideenschmieden ohne Denkverbote können in den Instituten als Katalysator für Innovationen wirken.“ Im Prinzip ist es ganz einfach: „Die Fintechs haben die Ideen und die Banken das Geld“, so Walser. In zwei Punkten sind sich Banken in der GFT-Expertenbefragung einig: Der Kunde ist Treiber der Digitalisierung. Kundenzufriedenheit und Kundenbindung in einem härteren Wettbewerb stehen oben auf der Agenda. Für die Bankmanager ist deshalb ein konsistentes Angebot über alle Vertriebskanäle – Online, Mobil, Filiale – der Erfolgsfaktor.

Finanzmärkte bewegen

Die Umstellung auf Online-Banking war ein erster Meilenstein in Richtung Digitalisierung der Banken, aber ansonsten zeigen sich die Finanzdienstleister eher innovationsarm. Sie bedienen ihre Klientel mit einem Angebot, das sich in den letzten 20 Jahren nur wenig verändert hat. Damit blieben innovative Produkte und Services für Bankkunden „eine äußerst seltene Spezies“, merken Berater von Pass-Consulting in ihrer Fintech-Studie an.

Digital und analog

Die Konkurrenz von wendigen Fintechs bis zu globalen Unternehmen wie Paypal oder Facebook hat die Finanzbranche durcheinandergewirbelt. „Um mit dem eigenen Angebot zu punkten, setzen Banken nun auf ein durchgängiges Kundenerlebnis, digital und analog. Dabei sind sie aber unterschiedlich schnell unterwegs“, betont Lulay.

Die Hälfte der befragten Banken rechnet damit, in drei bis fünf Jahren ihre Digitalisierungsstrategie komplett umgesetzt zu haben, ein Drittel will in ein bis zwei Jahren soweit sein. Wenn die Banken wüssten, dass ein Internet-Jahr keineswegs zwölf Monate dauert, würden sie wahrscheinlich den Digitalisierungs-Turbo anwerfen. Der startet zwischenzeitlich in der Nähe der Bankentürme – beim ersten „Start-up Weekend Fintech“ in Frankfurt im September 2015. Da werden innovative Geschäftsideen gesucht und über Dinge wie Payment-Services, Trading-Software oder Debitoren-Management-Solutions diskutiert.

„Bleib gierig nach mehr. Bleib ein wenig tollkühn.“ Das sagte Steve Jobs im Jahr 2005 bei seiner legendären Rede vor Studenten der Universität Stanford. Die Gründer der Fintechs haben damals wohl sehr genau zugehört.


Thomas Friedenberger, Redakteur - 30/07/2015

interstid/Shutterstock.com

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