Trainee-Programme für Naturwissenschaftler

Naturwissenschaftler haben immer häufiger die Chance, als Trainee ins Berufsleben einzusteigen. In den Programmen erhalten sie wertvolle Orientierung im Unternehmen – und gute Perspektiven für die weitere Karriere.

„Nach dem Studium kommen Naturwissenschaftler mit einer intensiven Ausbildung im Unternehmen an und kennen sich im Labor und in der Forschung aus, aber kaum in der Industrie. Deren Anforderungen erfüllen sie meist nicht und kennen auch oft nicht die Möglichkeiten.“

So begründet Sabine Sass ihre Entscheidung für den Berufseinstieg als Trainee. Die 30-Jährige studierte Biologie in Karlsruhe, im irischen Cork und in Konstanz, es folgten die Promotion und eine Postdoc-Stelle am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Viele Bewerber

Bei der Jobsuche stand für sie bereits fest, dass sie in einem Trainee-Programm starten wollte: „Ich hätte sonst gar nicht sagen können, in welchen Bereichen ich mir einen Einstieg vorstellen könnte.“ Seit Februar 2012 absolviert sie ein einjähriges Trainee-Programm beim Pharmadienstleister Vetter in Ravensburg. Auf das Programm aufmerksam geworden war sie durch eine Stellenausschreibung. „Es war hart umkämpft, für die sechs Trainee-Stellen gab es sehr viele Bewerber“, berichtet Sass.

Früher galten Trainee-Programme als Domäne der Wirtschaftswissenschaftler, die auf künftige Positionen im Top-Management vorbereitet werden sollten. Inzwischen wissen aber auch immer mehr Unternehmen mit Bedarf an Naturwissenschaftlern die Vorteile der Trainee-Einarbeitung zu schätzen.

Unternehmen kennenlernen

Dazu gehört das Unternehmen B. Braun Melsungen. Reinhild Gutzeit, beim Pharma- und Medizintechnikhersteller als Gruppenleiterin verantwortlich für die Trainee-Programme und Work-Life-Konzepte, erklärt: „Trainee-Programme für Naturwissenschaftler gibt es bei uns schon seit vielen Jahren und wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Auch für Naturwissenschaftler ist es von Vorteil, nicht nur einen kleinen Teil des Unternehmens kennenzulernen.“

Das Unternehmen mit all seinen Prozessen und Strukturen in kurzer Zeit zu überblicken, ist wichtiger denn je. Denn die Anforderungen in der Industrie haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt und Karrierechancen gibt es in ganz unterschiedlichen Bereichen.

Offen gestalten

Personalexpertin Gutzeit nennt Beispiele: „Naturwissenschaftler interessieren sich durchaus auch für kaufmännische Trainee-Programme, etwa im Marketing und Vertrieb. Und die spätere Zielposition kann sehr unterschiedlich sein: von der Laborleitung über das Qualitätsmanagement bis zum Marketingmanagement ist vieles denkbar.“

Ein offen gestaltetes Programm, das früh einen gründlichen Überblick verschafft, ist sehr hilfreich. „Das Trainee-Programm bereitet auf eine spätere Aufgabe vor. Da ist es nützlich, wenn die Trainees benachbarte Unternehmensbereiche und deren Prozesse kennenlernen und Kontakte aufbauen“, erläutert Gutzeit.

Verschiedene Stationen

In Trainee-Programmen durchlaufen die Einsteiger verschiedene Stationen im Unternehmen. Sabine Sass' erster Bereich bei Vetter war die Personalentwicklung. „Das war für mich ganz neu. Ich betreute dort Schulungen und pharmazeutische Trainings. Ebenso holte ich Feedback zu einer neuen Veranstaltung ein, um Verbesserungspotenzial zu evaluieren und dabei die Bedürfnisse der einzelnen Bereiche zu berücksichtigen“, berichtet sie. „Für mich war das ein toller Einstieg, weil gleich die erste Station als eigenständiges Projekt organisiert war und ich mich in allen Bereichen des Unternehmens bewegen konnte“, so Sass weiter.

Nach drei Monaten wechselte die Biologin in ihre erste Fachabteilung, die Qualitätssicherung. Ihre aktuelle Station ist das Projektmanagement. „Hier geht es um die Bearbeitung von verschiedensten Verbesserungsprojekten, etwa um qualitätsrelevante Optimierungen oder Prozessoptimierungen. Meine vierte und letzte Station im Trainee-Programm wird voraussichtlich das Kunden-Projektmanagement sein“, erklärt Sabine Sass.

CareerServices

Individuell zugeschnitten

Die Stationen dauern jeweils drei Monate. Wichtig ist für Sabine Sass dabei die fachliche und persönliche Betreuung: „Ich habe einen festen Ansprechpartner aus der Personalentwicklung, mit dem ich mich alle zwei Wochen treffe. Hier führen wir etwa Gespräche über die aktuelle Situation in der jeweiligen Station, die folgende Station oder die spätere Zielposition. Zusätzlich hat jeder Trainee einen Paten in der Firma, der einem die Orientierung und den Einstieg erleichtert. Außerdem habe ich immer einen festen Betreuer in den Fachabteilungen.“

Die Programme und Stationen schneidet das Unternehmen individuell auf die einzelnen Trainees zu. „Es gibt auch Stationen im Bereich Development Service, der besonders spannend für Pharmazeuten oder Chemiker ist, die dort eingesetzt werden. Für mich war das weniger interessant, weil es mich eher in das Projektmanagement zieht“, so Sass. Auch die Zielpositionen nach Abschluss des Trainee-Programms stimmt der Pharmadienstleister aus Ravensburg erst während des Programms mit den Trainees ab.

Vollständig integriert

In den 18-monatigen Trainee-Programmen bei B. Braun Melsungen dauern die einzelnen Stationen drei bis sechs Monate. Gruppenleiterin Reinhild Gutzeit begründet die Einteilung: „Wir möchten, dass Trainees von Anfang an vollständig integriert sind, umfassende Einblicke in Projekte und Prozesse erhalten und eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen und steuern. Dazu ist eine gewisse Zeit je Abteilung erforderlich. Im Bedarfsfall können wir das Programm auch verkürzen oder verlängern.“

Führungskräfte und Projektleiter unterstützen auch bei B. Braun als Fachmentoren die Trainees. Reinhild Gutzeit steht während des gesamten Traineeships als feste Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Welcher Bereich?

Die Zielposition ist zu Beginn des Programms von B. Braun wie bei Vetter noch offen. Personalerin Gutzeit nennt die Vorteile: „Der Trainee soll sich klar werden können, für welchen Bereich er sich interessiert. Auch das Unternehmen kann so erkennen, wo ein späterer Einsatz möglich ist.“

Vor dem Ende des Programms findet bei B. Braun ein Gespräch über die Übernahme des Trainees statt. „Die Trainees sind hoch qualifiziert und generalistisch ausgebildet. So können wir gemeinsam mit ihnen auch viele andere vakante Stellen in unserem Unternehmen daraufhin prüfen, ob sie zu ihnen passen“, erklärt Gutzeit.

Für Naturwissenschaftler, die sich nach dem Studium noch nicht klar über ihren beruflichen Weg sind, bietet ein Trainee-Programm so eine wertvolle Orientierung. Reinhild Gutzeit bestätigt das: „Die Alternative zum Trainee-Programm wäre der Direkteinstieg. Aber nicht jeder, der das Studium absolviert und vielleicht auch schon praktische Erfahrungen gesammelt hat, weiß, wo genau er sich im Unternehmen wiederfindet.“

Gute Perspektiven

Sabine Sass sieht bei Vetter gute Chancen für eine Weiterbeschäftigung: „Die Chancen für eine Übernahme sind gut, weil das Trainee-Programm im Unternehmen einen hohen Stellenwert hat.“ Unsere Studie JobTrends Deutschland 2012 ergab, dass drei Viertel der Unternehmen in ihren Trainee-Programmen den Grundstein für die weitere Laufbahn ihrer Trainees sehen. Die Einsteiger im Unternehmen zu halten, ist dabei erwünscht: Ein Viertel der befragten Arbeitgeber besetzt heute Führungspositionen mit früheren Teilnehmern ihrer eigenen Trainee-Programme.

Sich den Werdegang früherer Trainees anzuschauen, empfiehlt Sass allen Bewerbern: „Sie sollten herausfinden, ob die Trainees persönlich betreut werden und ob das Programm offen genug ist, um ihre Fähigkeiten und Interessen zu berücksichtigen. Wichtig ist auch, ob das Unternehmen bereits Trainees ausgebildet hat und welche Position sie heute im Unternehmen haben. Daran lässt sich ablesen, wie angesehen das Programm in der Firma ist.“


Heinz Peter Krieger, Redaktion - 10/06/2014

Robert Kneschke/Shutterstock.com

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