„Wir müssen Vorreiter und Navigator sein“

Ralf Strehlau, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), spricht im Interview über Digitalisierung, Berater-Gehälter, Soft Skills und er verrät auch, was ihn in Bewerbungsgesprächen schon mal nerven kann.

Ralf Strehlau, Jahrgang: 1965, ist Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) und Geschäftsführer bei der Anxo Management Consulting GmbH. Er hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg studiert.

Ralf Strehlau Präsident des BDU

Herr Strehlau, alle Branchen werden digital. Wie weit ist die Consultingbranche?

Es gibt kein einheitliches Bild. Insgesamt sehe ich die Consultingbranche besser aufgestellt als das Gros der Unternehmen in der deutschen Wirtschaft, besonders im Mittelstand. Aber wir sehen auch Beratungen, die den Anschluss zu verlieren drohen.

Was bedeutet die Digitalisierung konkret?

Die Bandbreite ist groß: Einzelne Arbeitsschritte werden in die virtuelle Welt verlagert. Intelligente Analysetools erleichtern die Orientierung im Daten-Dschungel. Kognitive Computerprogramme, die auf Klicks und Suchbegriffe reagieren, bieten dem Webseiten-Besucher automatisiert zum Beispiel Referenzen oder Fallstudien an. In digitalen Labs können die Klienten potenzielle Lösungen vorab erleben und testen.

Und was läuft bei dem Thema bisher noch nicht so gut?

Viele Klienten müssen noch davon überzeugt werden, dass eine virtuelle Zusammenarbeit in den Projekten Vorteile bringen kann. Wir sollten gemeinsam von der bislang gelebten, reinen Präsenzkultur wegkommen.

Präsent sind vor allem disruptive Technologien – welche Auswirkungen haben sie auf die Berater?

Ich muss als Unternehmensberater sehr genau wissen, wo und welche Veränderungen sich ergeben. Zum Beispiel verändert die Digitalisierung Geschäftsmodelle und Organisationsprozesse in der Finanzbranche, im Handel und in der Musikindustrie gravierend. Oder denken Sie an die Automobilindustrie: Wegen der Elektromobilität muss sich eine zentrale Branche völlig neu aufstellen. Auch Künstliche Intelligenz mit selbstlernenden Programmen revolutioniert die Art und Weise, wie wir wirtschaften und arbeiten. Bei allem müssen wir Consultants Vorreiter und Navigator sein.

Was muss ich beim Einstieg darüber wissen?

Nicht jeder Berater muss sich immer bis ins kleinste Detail in bereits eingesetzten oder künftig nutzbaren Technologien auskennen. Wichtig ist aber ein hohes Verständnis für die Wirkungsmechanismen und die sich hieraus ergebenden Anforderungen an die Projektschritte und Lösungsansätze. Ohne dieses Wissen kann ich als Berater meinen Klienten heute keinen Mehrwert bieten. Wichtig ist, dass Sie selbst aktiv sind, zum Beispiel in sozialen Medien, und neugierig auf Innovationen und neue Technologien.

Was ist derzeit das Besondere am Einstieg als Berater?

Ich glaube, da hat sich gar nicht so viel geändert. Der Beraterberuf ist unglaublich vielfältig und gleichzeitig herausfordernd. Das derzeit aber besonders Spannende in Zeiten des digitalen Wandels ist sicher, dass wir mit den Klienten gemeinsam völlig neue Geschäfts- und Arbeitswelten erschaffen können.

BWL reicht da wohl nicht immer?

Doch, BWL ist super! Was soll ich anders sagen, ich habe ja BWL studiert. Aber grundsätzlich sind Kandidaten, die in ihrem Studium ein systematisches Problemlösungsverständnis und -vorgehen vermittelt bekommen haben, bei den Consultingfirmen besonders begehrt. Neben den Wirtschaftsfächern sind Absolventen aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften stark nachgefragt.

Welchen Abschluss erwarten die Consultingfirmen?

Auch mit einem Bachelor-Abschluss hat man gute Chancen. Ob junge Berater auch in Strategiethemen beraten, entscheidet allein deren persönliche Entwicklung. Aber bitte nicht erwarten, dass man nach vier Wochen gleich den Dax-Vorstand berät.

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Okay, und wie wichtig ist die Abschlussnote?

Ein guter Studienabschluss hilft nach wie vor. Aber er ist auch kein Garant für das ‚Berater-Gen‘, das alle bei Talenten suchen.

Kann man sich eigentlich auch mit einer durchschnittlichen Note bewerben?

Warum nicht? Noten alleine haben nur begrenzten Aussagewert. Beratertalente finden sich auch in der Kandidatenzielgruppe, die auf den ersten Blick nicht die Überflieger sind. Meine Erfahrung: Wir dürfen im Recruiting nicht zu eng denken.

Welche Soft Skills sind besonders wichtig?

Eine analytisch-systematische Arbeitsweise und unternehmerisches Denken sind Grundvoraussetzungen. Ohne diese Eigenschaften verzettelt man sich in den oft komplexen Themen und schafft keine Lösungen für die Problemstellung im Projekt. Fehlen Einfühlungsvermögen und kommunikative Fähigkeiten, scheitert die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Klienten und der Projekterfolg ist fraglich. Zeit- und Selbstmanagement sollte man natürlich auch beherrschen.

Welche Praxiserfahrungen sollten Studenten haben, die Berater werden wollen?

Projekterfahrung wird gerne gesehen. Hilfreich sind in jedem Fall Praktika, Tätigkeiten als Werksstudent und besonders die Mitarbeit bei einer studentischen Unternehmensberatung.

Und mit wie viel Gehalt kann ich beim Start rechnen?

Die Höhe der Gehälter variiert zum Teil erheblich. Sie ist abhängig von den Qualifikationen der Kandidaten oder der Größe und Art der Unternehmensberatung. Berater können beim Einstieg als Analyst mit Bachelor-Abschluss mit einem Gehalt zwischen 33#000 und 41#000 Euro rechnen. Auf der Hierarchieebene Consultant werden mit Master-Abschluss zwischen 36#000 und 55#000 Euro gezahlt. Doktor- oder MBA-Titel wirken in der Regel deutlich gehaltssteigernd.

Welche Fehler von Bewerbern im Consulting-Interview sind typisch – und für Sie vielleicht ein „rotes Tuch“?

Das schlimmste für mich ist die Selbstüberschätzung von Bewerbern. Da fällt mir zum Beispiel die Antwort eines 21-jährigen Kandidaten auf die Frage nach seinen Stärken ein: „Ich bin die geborene Führungskraft!“ Er hatte aber noch nicht einmal ein Praktikum, etwas im Ehrenamt oder Sonstiges gemacht. Super ist es auch, wenn man nach zwei Fragen merkt, dass sich der Bewerber nicht einmal die Webseite der Unternehmensberatung anschaut, bei der er sich gerade bewirbt.

Welche Fragen stellen Sie Bewerbern im Interview?

Für mich sind Fragen sehr wichtig, die die Einstellung und die Werte eines Bewerbers adressieren. Wie hat er sich in bestimmten Situationen verhalten und warum? Wie ist er in Konflikten in Teams oder mit seinem Chef in einem Praktikum umgegangen?

Gibt es irgendwo Beraterjobs mit 40 Wochenstunden – oder ist das Leben vorbei, sobald ich Consultant bin?

Das Leben ist dann nicht vorbei, sondern es fängt erst so richtig an. Natürlich, es stimmt: Der Consultingjob ist als eine der Top-Tätigkeiten, die es zu vergeben gibt, nach wie vor zeit- und arbeitsintensiv. Aber belohnt werden junge Menschen mit unglaublich vielfältigen Themen und Aufgabenstellungen in den Projekten. Und: Mit der eigenen Arbeit zu innovativen und zukunftsfähigen Lösungen beizutragen, ist in hohem Maße sinnstiftend.


Thomas Friedenberger, Redakteur - 22/02/2017

Pressmaster/Shutterstock.com

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