Lernender Student in der Klausurenphase

Klausurenphase: Profi-Tipps, mit denen du besser lernst

Klausurenphase heißt: Pauken bis zum Umfallen. Viele Studenten greifen dann zu aufputschenden Mitteln – aber es muss doch auch anders gehen? Autor und Lernpsychologe Martin Krengel über Lerndoping und Tipps, die wirklich helfen.

Martin Krengel ist Autor und Lernpsychologe und weiß, wie Studenten die Klausurenphase am besten überstehen.

Martin Krengel Lernpsychologe und Autor

Herr Krengel, kann jeder das Lernen lernen?
Ja, jeder kann und muss es, und das immer wieder neu. Als Kinder lernen wir, indem wir Erwachsene imitieren. Als Schüler setzen wir Lernen mit Auswendiglernen gleich. Damit kommt man irgendwie bis zum Abitur. Aber spätestens im Studium, wo jeder die Informationen auch selbst sortieren muss und nicht bereits eine Vorauswahl in Form eines Lehrbuchs hingelegt bekommt, hilft Fleiß allein nicht mehr weiter. Da müssen andere Methoden her.

Wie kommt Struktur rein, wenn es unübersichtlich wird?
Es ist sehr wichtig, den Stoff aufs Wesentliche runterzubrechen. Sich auch zu fragen: Wie wird das Wissen geprüft? Eine mündliche Prüfung muss ich anders vorbereiten als eine schriftliche. Wenn ich die Inhalte auf wenige Kernpunkte reduziere und die dann inhaltlich miteinander verbinde, liegt der Lernstoff schon in mundgerechten Happen vor. Die muss ich dann für die Prüfung nur noch aufwärmen. Das schützt vor unangenehmen Überraschungen.

Effizientes Lernen wird ja häufig mit Faulheit verwechselt, weil sich die Bücher nicht stapeln. Und auch später im Job gelten oft nur vollgepackte Schreibtische als wasserdichtes Alibi für Fleiß.
Ja, das ist Teil unseres Sozialverhaltens. Wir sehen, dass jemand haufenweise Lernmaterial bei sich hat und denken sofort: Der ist ja schon viel weiter als ich, das kann ich nie im Leben aufholen. Aber das ist nur die äußere Erscheinung. Ich war etwa im Studium an einer renommierten Uni in London, da war die Bibliothek grundsätzlich brechend voll. Da dachte ich zunächst auch, ich könnte den Lernrückstand nie aufholen. Aber als ich dann gesehen habe, dass die meisten dort nur an den Rechnern auf Facebook unterwegs waren, sah die Sache schon wieder ganz anders aus.

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Sie kritisieren, dass die meisten Lernstrategien nicht praxisnah sind. Warum?
Das liegt an der zeitlichen Distanz. Wenn ich mich zum Beispiel nach fünf Jahren im Job dazu entschließe, jetzt als Lerncoach zu arbeiten, dann kann ich mich nicht mehr so gut in die Lage des Lernenden hineinversetzen. Deshalb habe ich mir alle Mühe gegeben, meine Bücher möglichst zeitnah zu veröffentlichen – solange ich den Bezug noch habe.

Fachbegriffe und trockene Fakten sind ja besonders schwer zu lernen.
Assoziationen in Form von kleinen Skizzen, Strichmännchen, Comics  helfen. Das soll kein van Gogh werden – sondern Spaß machen und den Sinn des sperrigen Wortes in etwas Greifbares übertragen. Überhaupt ist die freie Übersetzung von wissenschaftlicher Verkompliziertheit eine große Lernhilfe, vor allem bei trockenen Themen. Einen Fachbegriff zerteilt man am besten in mehrere kleine Wortbestandteile, die man einzeln definiert, assoziiert und mit dem eigentlichen Wortsinn verknüpft. Wenn dieser Prozess einmal abgeschlossen ist, benötigt man auch die Eselsbrücke nicht mehr.

Wo stößt Leistung an ihre Grenzen?
Der Körper kann maximal ungefähr 90 Minuten lang konzentriert arbeiten, der Geist je nach Person und Aufgabe zwischen 20 und 45 Minuten. Je faktenlastiger die Arbeit, desto mehr Pausen sind nötig.

In Ihrem Buch „Bestnote“ kritisieren Sie auch das Gehirndoping unter Studenten.
Ja, das ist nicht nur medizinisch bedenklich, sondern auch psychologisch. Wenn ein Student irgendwelche Pillen oder andere Substanzen einwirft und dann die Prüfung mit Bravour besteht, assoziiert er seinen Erfolg mit diesen Mitteln. Bei der nächsten Prüfung wiederholt er die vermeintlich erfolgreiche Strategie. Dabei ist das beste Lerndoping ein „Nicht stören“-Schild an der Zimmertür – oder der gezogene WLAN-Stecker.

Was sagen Sie zum Leistungsdruck im Studium?
Vor der Bachelor-Reform kamen vor allem zwei Studententypen zu mir: Sehr ehrgeizige und sehr starke Prokrastinierer. Nach der Einführung des Bachelors ging es dann zunächst nur noch um Stressmanagement. Viele fühlen sich von der Regelstudienzeit gegängelt, haben kaum noch Zeit für Hobbys und Lebenserfahrung. Oft wollen sie sich auch noch nicht so früh festlegen.

Ihr Lieblings-Lerntipp?
Der Zehn-Minuten-Trick. Um den inneren Schweinehund zu überwinden, setzt man sich an eine vermeintlich unüberwindbare Aufgabe – aber nur für den besagten Zeitraum. Einfach anfangen und machen. Ehe man sich versieht, sind dann 30 Minuten vergangen und es ist schon ein gutes Stück geschafft.


Matthias Gramann, Redaktion - 05/06/2017

Syda Productions/shutterstock.com

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